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So fern und doch so nah – Das digitale Klassenzimmer

Man sitzt vormittags vor dem Bildschirm, teils ausgeschaltete Kamerabilder. Der Lehrer hält seinen Unterricht. Ablenkungsgefahr in den eigenen vier Wänden: enorm. So ähnlich sieht Homeschooling bei den meisten Schülern oder Studenten in Bayern aus. Die gemeinsame Pause mit den Mitschülern ist nicht immer möglich. Das Gemeinschaftsgefühl schwindet. Ein Projekt des „XR HUB Bavaria“ könnte aber dem Online-Unterricht mehr Leben einhauchen.

Muss Homeschooling so ablaufen?

Bisher setzen Schulen für den Heimunterricht auf Videokonferenzsoftware wie zum Beispiel „Zoom“ oder “Microsoft Teams“. Die Schüler sind über Videoübertragung miteinander sowie mit den Lehrenden verbunden. Ob die eigene Webcam eingeschaltet sein muss, wird von den verschiedenen Institutionen unterschiedlich gehandhabt. Von einem klassischen Klassenzimmer ist das aber weit entfernt. Es fehlt die Trennung zwischen dem privaten Umfeld und dem Unterricht. Auch der direkte, soziale Austausch mit den Mitschülern kommt etwas zu kurz. Die Lösung könnte das „Virtual Reality (VR)“-Projekt des Bayerischen Staatsministeriums „XR HUB Bavaria“ werden. 

VR-Classroom

Der Forschungsbereich des „XR HUB Bavaria“ nennt sich XR-Technologie, welche „Augmented Reality (AR)“ und „Virtual Reality (VR)“ umfasst. Die Grundidee ist die Schwelle und Austausch zwischen realer und virtueller Realität. AR beschreibt die Übertragung digitaler Elemente in unsere Wirklichkeit, während VR umgekehrt eine eigene künstliche Umgebung schafft. 

Beides ist heutzutage aber nichts mehr Neues. Im Alltag begegnen uns diese Anwendungen immer wieder zum Beispiel bei Betrachtung des Wunschautos im eigenen Wohnzimmer oder beim Videospielen mithilfe der VR-Brille. Dennoch beeinflusst bisher wenig davon unsere Arbeitsweise oder die Dringlichkeit für den üblichen Gebrauch. Der virtuelle Raum des „XR HUB“ bietet Potential die neue Norm zu werden. Der VR-Chatroom ermöglicht eine audiovisuell frei gestaltbare Umgebung, deren Anwendung ganz dem eigenen Zweck anpassbar ist. Selbst die Geräuschquellen sind überall präzise verteilbar. Der Benutzer interagiert und bewegt sich in Form eines 3D-Avatars. Kommt er einem anderen Teilnehmer nah, so kann er direkt mit ihm kommunizieren, was die digitale Kommunikation persönlicher gestaltet. Der Sitzungsleiter, in diesem Fall der Lehrer, hat die Übersicht über das Geschehen. Er führt die gezeigten Inhalte und verwaltet die Anwesenden. Auch die Möglichkeit die Schüler für Gruppenarbeit einzuteilen ist gegeben.

Der ausschlagende Punkt, der dieses Projekt vor allem so lukrativ gestaltet, ist der vielseitige Einsatz. Es ist möglich, eine ganze Ausstellung zu verschiedenen Rubriken umzusetzen und somit auf eine neue, immersive Weise der Zielgruppe das Material näherzubringen. Das Programm erlaubt nahezu sämtliche mediale Formate, wie Video oder Power-Point-Präsentationen, zu integrieren. Selbst für den Unterricht vor Ort eröffnet dies ganz neue Lehrmethoden, um das Lernen von der gängigen Weise abzuheben. Durch das eigene Erleben des Inhalts statt reiner Theorie steigt das Interesse der Schüler und fördert den Lernerfolg. 

Kein teueres Unterfangen

Wenn man sonst für VR in der Regel ein kostspieliges, meist Plattform gebundenes Headset benötigt, so bietet „XR HUB“ das Erlebnis auch ohne jegliche Bindung an ein solches Gerät an. Der virtuelle Sandkasten kann kostenfrei über Smartphones, Tablets oder Computer genutzt werden. Damit wird jedermann Zugriff ermöglicht, sodass, falls der Präsenzunterricht mal ausfallen sollte, die Klassengemeinschaft sich dennoch im digitalen Raum zusammenfinden kann und nicht auf ein Videogalerie begrenzt wird. 

Ob und wann „XR HUB Bavaria“ in den deutschen Schulen Fuß fassen kann, bleibt abzuwarten. Eine Möglichkeit den Schulalltag in der Pandemie abwechslungsreicher zu gestalten ist es aber allemal.

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Sergey Kravchenko

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