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Autismus: Kommunikationstherapie mit Robotern

Autismus ist eine schwerwiegende Entwicklungsstörung, welche die sozialen sowie kommunikativen Fähigkeiten der Betroffenen von Geburt an beeinträchtigen kann. Ein Forschungsprojekt packt mit einem Roboter namens Pepper einen neuen Ansatz in der Therapie für Kinder an.

„Hallo, mein Name ist Pepper!“

Autistische Kinder benötigen besondere Unterstützung, um die mit der Einschränkung einhergehenden alltäglichen Herausforderungen möglichst unbeschwert bewältigen zu können. Bislang liegt es an den Therapeut*innen, spielerisch die Entwicklung der Betroffenen zu begleiten und auszubauen. Im Rahmen der „Langen Nacht der Wissenschaften 2022“ stellte Thomas Heid, Senior Consultant bei dem Softwareentwicklungsunternehmen Astrum IT, den Roboter „Pepper“ vor. Ein freundlich dreinblickendes „Menschlein“ in Größe eines Grundschulkindes. Er spricht; er tanzt; er lässt Musik erklingen. Ein überdimensioniertes Spielzeug oder steckt da mehr dahinter? 

Pepper ist in der Lage, ähnlich wie ein Sprachassistent à la Siri oder Alexa, einen Dialog mit seinem Gegenüber aufzubauen und sucht dabei mit seinen Cartoon-artigen Augen stets Blickkontakt. Auf Befehl spielt er Saxofon, lädt das Kind zum Tanzen ein oder amüsiert es mit einer Erzählung. Ein auf der Brust integriertes Tablet ermöglicht weitere Spielereien rund um die Verbesserung der sozialen Fähigkeiten des Patienten. So besteht zum Beispiel ein Mini-Game für den Nutzer daraus, diverse Mimik-Darstellungen oder Stimmlagen zu unterscheiden und so deren Bedeutung einfacher zu lernen. Schaut das Mädchen traurig auf dem Bild? Klingt der Mann glücklich? 

Was Pepper aber wirklich besonders macht, ist die individuelle Wiedererkennung des Kindes. Der Roboter merkt sich das persönliche Gesicht, welches als eigenes Profil festgehalten wird. Mit Hilfe eines Gesichtserkennungsalgorythmus liest und versteht der kleine Humanoid die Emotionen seines Gegenübers, wodurch er auf die einzelnen Gefühlslagen des Kindes reagieren kann. 

Soetwas gehört auch zum Ablauf der Sitzungen bei menschlichen Therapeut*innen. Doch das Projekt ERIK (Entwicklung einer Roboterplattform zur Unterstützung neuer Interaktionsstrategien bei Kindern mit eingeschränkten sozio-emotionalen Fähigkeiten) soll eine wichtige Trennung liefern.

Der persönlicher Baymax in der Therapie

„Es ist wirklich diese Abstufung, dass ich dem Kind etwas nicht so menschliches vorsetze und es sich leichter tut, damit zu interagieren“, erläutert Heid. „Genau mit dem Augenkontakt zum Therapeuten gibt es Schwierigkeiten. Da richtig zu reagieren, macht es viel nervöser.“ Pepper soll durch sein spielzeugartiges Erscheinen auf Augenhöhe dem Kind erleichtern, sich auf die Therapie einzulassen. „Das Kind bemerkt eben nicht direkt, dass da sich ein Mensch dahinter versteckt, und tut sich leichter, eine Verbindung aufzubauen“, erklärt der Senior Consultant.

Pepper auf der Langen Nacht der Wissenschaften in der Eingangshalle von „Astrum IT“ (Foto: Kravchenko)

In Zukunft vielleicht Dr. Pepper? 

Ist damit der Roboter als Ablösung für menschliche Therapeut*innen gedacht? Keineswegs. Es ist eine Erweiterung zu den bisherigen Methoden in der Behandlung autistischer Kinder. Stets anwesende fachkundige Betreuer ist dabei vorgesehen, um unterstützen sowie eingreifen zu können. Schließlich ist das Ziel, dass das Projekt dem Betroffenen hilft, mit anderen Menschen umzugehen. Da dürfen diese selbstverständlich nicht fehlen.

Das Projekt ERIK befindet sich noch in der Prototyp-Phase, durfte aber bereits erste Testläufe durchführen. Ein paar Jahre braucht die Software laut Heid noch zur Optimierung, bis er mit ausgebildeten Therapeut*innen dann serienmäßig vielen Kindern eine helfende Hand sein kann.

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