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QR-Codes: War Corona die Wiedergeburt?

Mit einem einfachen Scan per Smartphone ermöglicht er schnelle Anmeldungen, Überprüfungen und Zahlungen. Seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie genießt der QR-Code erhöhte Verbreitung sowie Nutzung. Aber ist es ein situationsbedingter Trend-Boom oder doch langanhaltender Standard?

Die Wiedergeburt der Quadrate

Der QR-Code als zweidimensionaler Datensatz erlebte mit der Möglichkeit, den Impfstatus kontaktlos über das eigene mobile Endgerät zu kontrollieren, ein gewaltiges Comeback. Dabei haben die schwarzweißen Quadrate schon einige Jahre auf dem Buckel. Als 2007 die ersten QR-Codes in Deutschland erschienen, war deren einziger Zweck die Verlinkung auf eine Webseite. Große Popularität genossen sie nicht. Teils wussten die Deutschen mit dem neuartigen Code nichts anzufangen. Die damaligen Scan-Applikationen für das Smartphone funktionierten meist unzuverlässig. Von einem bequemeren, schnelleren Zugriff war nicht die Rede. So unscheinbar wie QR-Codes kamen, verschwanden sie 2012 von den deutschen Straßen aufgrund des fehlenden Mehrzwecks. Mit dem Corona-Ausbruch 2019 wendete sich das Blatt. Kontaktvermeidung war oberstes Gebot. Der klassische Impfausweis erwies sich also als unvorteilhaft. Aber wieso ausgerechnet QR? Gibt es keine Alternativen?

QR-Code. Was sonst?

Es stellt sich die Frage, wieso die Entscheidung auf die Quadrate fiel. Wieso erleben ausgerechnet sie solch einen Boom? Wäre der Barcode auf der Milchtüte nicht auch gegangen? Man scannt ihn doch auch ein und ruft in kurzer Zeit die Daten ab.

Der handelsübliche Barcode ist schier zu simpel. Der eindimensionale Code verfügt über eine zu geringe Informationsdichte sowie erhöhte Anfälligkeit für Fehler durch Beschädigung. Sobald sich die Dicke eines Striches ändert, werden auch die kodierten Informationen verfälscht. Der QR-Code, sein zweidimensionaler Bruder, wurde seit seinem frühzeitigen Verschwinden weitergedacht. So steigen beispielsweise immer mehr Gastronomien auf digitale Speisekarten um. Mittlerweile ist der Scan über die auf den meisten Smartphones vorinstallierte Kamera-App zuverlässig möglich. Bezahlen und Verwalten des Geldes ist durch die hauseigenen Dienste vieler Banken oder andere Dienstleister wie PayPal Teil dieses Prozesses geworden. Zudem bietet der QR-Code genug Kapazität, um selbst ganze Videos zu speichern. Doch es gibt auch alternative Möglichkeiten zur kontaktlosen Datenübertragung, ohne auf die Smartphone-Kamera angewiesen zu sein.

Geht es auch anders?

Als eine Möglichkeit zur kontaktlosen Datenübertragung erscheinen die Beacons. Dabei handelt es sich um Bluetooth-Sender, welche eine Verbindung mit  mobilen Endgeräten in ihrer Nähe herstellen können. Gerne genutzt wird diese Methode in Museen, um die Besucher, ähnlich wie bei einem Audio-Guide, durch die Ausführung zu führen. Am jeweils ausgestellten Objekt erscheinen auf dem Display des eigenen Smartphones die dazugehörigen Informationen.

Ein Impfnachweis wäre auf diesem Weg also möglich, stößt aber auf zwei schwerwiegende Probleme. Da es sich um Hardware handelt, wäre der strukturelle sowie finanzielle Aufwand, alle Institutionen und Gemeinschaften zeitnah auszurüsten und einzuweisen, zu enorm. Der härterer Stolperstein ist der Datenschutz, was die Umsetzung deutlich erschwert. Beim Einsatz der Beacons wird keine verschlüsselte, geschlossene Verbindung zwischen den einzelnen Sendern und Empfängern aufgebaut. Die eigenen sensiblen Daten wären also bei Kontrolle öffentlich abrufbar, somit also für jede:n einzusehen. Ein individueller Code als ein Verifikationsmechanismus, der vom Empfänger mit Hilfe einer App direkt gelesen werden muss, erscheint somit als eine sinnvolle Lösung.

Der QR-Code bleibt bisher in der Kombination aus hoher Informationsdichte und Einfachheit konkurrenzlos. Doch genügt es für eine langanhaltende Rückkehr des QR-Codes?

Vorübergehender Boost?

Der Studie „QRurb Your Enthusiasm 2021“ des Software-Unternehmens „Ivanti“ zufolge stieg die Nutzung des Codes zum Bezahlen im Vergleich zum Vorjahr 2020 um 12 Prozent und deckte knapp die Hälfte der Deutschen ab (48%). Das zeigt, dass sich der QR-Code neben dem Impfnachweis in den Alltag immer mehr Menschen integriert hat. Was 2007 noch reinen Werbezweck erfüllte, entwickelte sich durch die Notwendigkeit der Covid-19-Eindämmung zu einem standardisierten Werkzeug zur Erleichterung täglicher Aufgaben. Entscheidend für den Erfolg war die Simplizität von Design als auch Funktionsweise sowie Zugänglichkeit. Während alternative Methoden darauf zugeschnittene Gebrauchsgeräte oder etwas Zaster in der Tasche verlangen, ist jedes Smartphone, unabhängig von Ausstattung oder Anschaffungskosten, fähig, den Code zu nutzen. Auch wenn die Impfnachweispflicht derzeit Stück für Stück abgesetzt wird, wird der quadratische Datensatz uns weiterhin alltäglich unterstützen. 

Abschließend lautet die Antwort: ja. Der QR-Code hat sich durch seinen Mehrzweck durch Corona etabliert und strahlt in seiner Bestform. Er ist somit kein Phantom auf einem Werbeplakat mehr, sondern ist in den Köpfen der Menschen angekommen. Es bleibt noch abzuwarten, welche Entwicklung auf die Quadrate zukommt und zu was sie uns noch so befähigt.

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