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Trend-App Clubhouse: Willkommen im Club. Nicht!

Es soll „die App 2021“ sein. Gelauncht ist sie bereits im Januar. Und tatsächlich sind die sozialen Medien voll von Gesprächen, nein besser: Hype und Glorifizierung. Genau diese sozialen Netze, welche Clubhouse ersetzen können soll. Und zumindest in einem Punkt sind sie sich tatsächlich ebenbürtig: bei ihren minimalistischen Datenschutzansprüchen.

Wie so oft kommt der Trend dieser neuen sprachbasierten Plattform aus den USA. Eingeschleppt wohl durch eine Hamburger Influencerin. Doch so ganz sozial scheint dieses neue „soziale Netzwerk“ dann doch nicht: Zutritt nur mit Einladung. Eine Methode, die nicht überrascht. Der Smartphone-Hersteller Oneplus brachte so jahrelang seine Geräte auf den Markt. Künstliche Verknappung schafft Begehrlichkeiten und zeichnet ein Bild von Exklusivität. FOMO (“Fear of Missing Out”) in der Krise? Vorprogrammiert. Gesellschaftlicher Diskurs? Fehlanzeige! Die Tatsache, dass nur Apple-Nutzer Clubhouse downloaden können, macht die Blase rund. Doch sind wir mal ehrlich: Medienschaffende und Marketeers ohne iPhone? Gibt es ohnehin nicht.

Niveauvolle Kommunikation oder langweilige Latenight-Show?

Die Pandemie weckt Bedürfnisse. Mehr Austausch, mehr Interaktion. Und so liefert Clubhouse den perfekten Trend für alle seriösen Kommunikatoren, welche nicht der TikTok-Generation Z angehören. In verschiedenen Gruppen entstehen themenbasierte Talks und fachspezifische Regeltermine. Wo man hinsieht wird gesprochen. Und weil es langweilig ist, das Thema nur mit den eigenen klugen Köpfen durchzukauen, muss auf allen anderen Netzen davon berichtet werden.

Obwohl manche Gesprächsrunden eher an fade Latenight-Talkshows in den „Öffentlich-Rechtlichen“ erinnern, können andere Inhalte durchaus mit spannenden Blicken über den Tellerrand aufwarten. Natürlich ist nicht alles schlecht in „dem Trend 2021“. Die Kommunikation der Nutzer geht ruhig und gesittet von statten. Beinahe könnte sie sogar mit dem Begriff „niveauvoll“ beschrieben werden. Hier können weder Twitter noch Facebook-Kommentarspalten mithalten.

Datenschutz im Clubhouse? Fehlanzeige!

Medienmacher sind in den meisten Fällen erwachsen. Sie können selbst entscheiden, ob sie sich nach neun Stunden Videokonferenzen im Home-Office noch drei Stunden im Clubhouse herumtreiben möchten und dort Daten über sich selbst hinterlassen. Eine selbstständige Entscheidung, wie sie nicht alle treffen können. Denn selbst wer sich gegen seine Teilhabe entscheidet, hat seine Daten womöglich schon längst an den Entwickler der App, Alpha Exploration Co., abgetreten. Das amerikanische Unternehmen erhebt nämlich Anspruch auf die gesamte Kontaktdatenbank seiner Nutzer. Nur gut, dass niemand brisante Informationen auf dem Smartphone empfängt und sendet, oder die App gar auf dem geschäftlichen Smartphone nutzt. Neben dem Sammeln von allen Informationen aus dem Adressbuch behält sich der Entwickler auch vor, Daten an Dritte weiterzugeben. Mitschnitt von Gesprächen? Natürlich. Wofür die Daten gesammelt werden? Unklar.


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So erfreuen sich die einen Nutzer, dass mehrere tausend Menschen zuhören, wie Kai Diekmann mit Sigmar Gabriel und Günther Jauch über die Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten philosophiert. Und die anderen? Die kritischen? Die sollen mal nicht so jammern, dass ihre Daten jetzt wohl entgegen der DSGVO auf amerikanischen Severn lagern. Selbst schuld, wenn sie noch an die eigene Datensouveränität glauben!

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