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	<title>Infotainment Archive - Future Communication</title>
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	<description>Zukunft der Technikkommunikation</description>
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	<title>Infotainment Archive - Future Communication</title>
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		<title>Infotainment: Von Spiel und   Spaß im Journalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Sep 2020 08:12:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Online statt Print, Podcast statt Radio und Streamingdienste, Mediatheken und YouTube statt linearem Fernsehen: Das Nutzungsverhalten der Rezipienten verändert sich, wodurch der klassische Journalismus vor neuen Herausforderungen steht. Vermarktung, Vertrieb, Nutzung und Darstellen müssen sich an die digitalisierten Kommunikationswege anpassen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurecommunication.de/infotainment-von-spiel-und-spass-im-journalismus/">Infotainment: Von Spiel und   Spaß im Journalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurecommunication.de">Future Communication</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Das Nutzungsverhalten der Rezipienten verändert sich. Dadurch steht der klassische Journalismus vor neuen Herausforderungen. Vermarktung, Vertrieb, Nutzung und Darstellungsweise müssen sich an die digitalisierten Kommunikationswege anpassen. </strong></p>



<span id="more-78"></span>



<p class="has-text-align-right"><em>Ein Gastbeitrag von Sabrina Huf</em></p>



<p>Digitale Endgeräte ermöglichen es Nutzern jederzeit und überall auf Informationen und Nachrichten im Internet zuzugreifen. Dadurch entstehen nicht nur neue Anforderungen an die Aufbereitung von Inhalten, sondern auch etablierte Finanzierungsformen der Medienhäuser brechen weg. Zwar ist das Vertrauen in Internetquellen laut der <a href="https://medienvertrauen.uni-mainz.de/forschungsergebnisse-der-welle-2019/">Langzeitstudie Medienvertrauendes Instituts für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz</a> niedrig und die Nutzer präferieren Bitkom-Studien zufolge die Angebote klassischer Medienhäuser. Jedoch belegt der <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="http://www.digitalnewsreport.org/survey/2019/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Digital News Report 2019</a> der Nachrichtenagentur Reuthers, dass nur die wenigsten bereit sind für digitale Angebote Geld zu bezahlen. Die Auswirkungen der Digitalisierung beschränken sich dabei aber nicht nur auf Darstellungs-und Finanzierungsformen: Durch die Allgegenwärtigkeit und Schnelllebigkeit des Internets, wird Aufmerksamkeit zum kostbaren Gut.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erklären ist die Kernaufgabe</h2>



<p>Im Kampf um Visits, Page Impressions, Unique Visitors und der Aufmerksamkeit der Nutzer im Allgemeinen sollte die Funktion des Journalismus in der Gesellschaft nicht in den Hintergrund abrutschen: Der Beitrag des Journalismus zum öffentlichen Meinungsbildungsprozess, durch die Information der Öffentlichkeit über politisch, wirtschaftlich oder kulturell relevante Themen. Dabei reicht es Kai-Uwe Hugger und Claudia Wegener zufolge nicht aus, die Nachrichten in angemessener Qualität und ausreichendem Umfang anzubieten. Die Informationen müssen auch so aufbereitet werden, dass der Rezipient relevante Inhalte Selektieren, Aufnehmen und Verstehen kann. Genau an dieser Aufgabe scheinen die Medien zu scheitern. Zumindest nehmen es die Rezipienten so wahr: Im Digital News Report 2019 geben die Befragten an, dass Medien zwar über neue Entwicklungen informieren, diese aber nicht ausreichend gut erklären. </p>



<p>Um einem Nutzer einen Sachverhalt erklären zu können, ist es jedoch zunächst notwendig, dessen Aufmerksamkeit einzufangen und sie anschließend so lange zu binden, dass er die Erklärung überhaupt liest. Dies gestaltet sich besonders schwierig, wenn 59% der Leser bei Onlinenachrichten nur noch die Überschriften lesen, so zumindest das Ergebnis einer Studie der Columbia University, die die Tweets US-amerikanischer Medienhäuser ausgewertet hat. Mehr als jeder zweite Link, der geteilt wurde, hatte keine Klicks. Die Nutzer lasen die Artikel also nicht, bevor sie sie teilten. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Journalismus ist, wenn man trotzdem lacht</h2>



<p>Nicht alle Medienanbieter haben dieselben Probleme. Die Bildzeitung hat, laut DWDL mit einer verkauften Auflage von 1,2 Mio. im 4. Quartal 2019 eine Auflage von der andere Tageszeitungen nur träumen können. Auch Online hat Bild.de mit Abstand die meisten Visits und ist bei den Unique Users nur knapp hinter Focus Online. Die Boulevardpresse scheint sich in der sich verändernden Medienlandschaft besser zurecht zu finden, als die auf Nachrichtenjournalismus ausgelegten Medien. Jan Krone schreibt das einer publizistischen Divergenz in einer konvergierenden Medienumgebung zu. Er teilt dabei Unterhaltung und Information in zwei deutlich getrennte kommunikative Genres ein. Boulevardmedien sowie Fernsehen und Hörfunk hätten den Vorteil, beide kommunikativen Genres über ihre Marke zu transportieren. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Aufmerksamkeit durch Humor</h2>



<p>Gerade Infotainment-Angebote, die die beiden kommunikativen Genres Unterhaltung und Information verschmelzen, erfreuen sich aktuell steigender Beliebtheit. In den USA erreichen Late-Night-Shows, die Satire mit Information verschmelzen, vor allem junge Menschen, die durch klassische Medien kaum noch erreichbar sind. Das ergaben zumindest die Forschungen von Christiane Grill, die als Kommunikationsforscherin am Zentrum für Europäische Sozialforschung an der Universität Mannheim arbeitet. Die Formate schaffen es dabei Aufmerksamkeit für komplexe Themen zu generieren.</p>



<p> „Mit Hilfe des Humors können Themen einer breiteren Masse nahegebracht werden, die sich normalerweise nicht damit befassen würde. In ein normales Nachrichtenformat verpackt, wären sie zu komplex und fad“, erklärt <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="http://futurecommunication.de/interessant-ist,-was-unterhalt---infotainment-und-newsgames-als-zukunft-des-journalismus" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Henry Lai vom Bayerischen Rundfunk im Interview</a>. Die Formate beschränken sich dabei längst nicht nur auf Politiksatire. Auch technikjournalistische Themen werden aufgegriffen und dem Publikum einfach, verständlich und unterhaltsam vermittelt. Wenn <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.youtube.com/watch?v=g6iDZspbRMg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">John Oliver in Last Week Tonight</a> über Kryptowährungen redet, startet er mit: „Tonight we are going to talk about cryptocurrencies: Everything you don’t know about money combined with everything you don’t know about computers” und erreicht damit über zehn Millionen Menschen allein auf YouTube. </p>



<p>Die <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.youtube.com/watch?v=V49b13fYFik" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anstalt thematisiert im Januar 2019 die Baupläne von Stuttgart 21</a> und startet mit der Lautsprecherdurchsage: „Achtung eine Durchsage: Die Sendung erreicht nun Stuttgart 21 mit einer Verspätung von zehn Jahren. Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“, und erreicht damit auf YouTube immerhin 1,5 Millionen Menschen. Nicht nur generieren und binden die Formate mehr Aufmerksamkeit, der Humor hilft auch, die Informationen besser zu verarbeiten und im Gedächtnis zu behalten. In einer Studie hat der Psychologe Randy Garner herausgefunden, dass sich Studenten besser an statistische Informationen erinnern, wenn die Informationen bei der Vermittlung mit kontextuellem und angemessenem Humor untermahlt sind. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Spielerisch Lernen</h2>



<p>Eine weitere vielversprechende Darstellungsform, die Unterhaltung und Informationen verbindet, sind Newsgames. Diese Videospiele „erzählen mit Hilfe ihrer Spielmechanik eine journalistisch aufgearbeitet Geschichte. Der Spieler begreift den Zusammenhang, indem er ihn nachspielt“, erklärt Henry Lai. Jedoch ist nicht jedes Videospiel, das eine wahre Begebenheit nachspielt, auch ein Newsgame. Klaus Meier spricht sich dafür aus, dass nur solche Spiele als Newsgames erachtet werden, die von einer unabhängigen Medienorganisation hergestellt wurden und die der Bildung und Vermittlung von Wissen dienen. Genau bei der Wissensvermittlung zeigen Newsgames ihre Stärke. </p>



<p>Die Studie „A meta-analysis of the cognitive and motivational effects of serious games“ von Pieter Wouters hat herausgefunden, dass durch digitale Spiele neue Fertigkeiten und Wissen effektiver erworben werden können, als durch reguläre Lernangebote. Auch wird das Gelernte von den Versuchsteilnehmern besser behalten. „Dadurch, dass der Spieler seine persönlichen Erfahrungen aus dem Spiel mit den Geschehnissen, die das Spiel darstellt, verknüpfen kann, bleibt der Zusammenhang besser in seinem Gedächtnis haften,“ erklärt Henry Lai den Effekt. Auch für die Art der Wissensvermittlung bieten Computer- und Videospiele verschiedene Darstellungsformen: Vom Strategie- und Aufbauspiel bis hin zum Rollenspiel. Dies ermöglicht es, Inhalte dem jeweiligen Thema entsprechend darzustellen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Infotainment als Finanzierungschance?</h2>



<p>Neben der Vermittlung von Wissen sind aber vor allem die wirtschaftlichen Aspekte der Computer- und Videospielindustrie interessant. In Deutschland wurden laut Statista im Jahr 2018 rund 45 Millionen Videospiele verkauft, die insgesamt einen Umsatz von etwa 1,08 Milliarden Euro erwirtschafteten. Für eine Medienindustrie, die mit Finanzierungsschwierigkeiten zu kämpfen hat, bieten Newsgames nicht nur eine neue Darstellungsform, sondern auch eine Möglichkeit sich zukünftig zu finanzieren. </p>



<p>Jedoch ist vermutlich die Finanzlage auch der Grund, warum bislang kaum erfolgreiche Newsgamesauf dem Markt erschienen sind. Die Entwicklung von Computer- und Videospielen braucht viel Zeit und Geld, zwei Grundbestandteile, an denen es in der Medienbranche mangelt. Das Entwicklerstudio Rockstar Games hat fünf Jahre und über 200 Millionen Euro in die Produktion von Grand Theft Auto V, eines der erfolgreichsten kommerziellen Spiele der letzten Jahre, gesteckt. Zwar befinden wir uns, was die Produktionskosten angeht im oberen Segment &#8211; das Smartphone Spiel Angry Birdshat immerhin nur 140.000 US Dollar gekostet und ist damit eines der profitabelsten Spiele, die jemals erschienen sind &#8211; jedoch liegt die Produktionszeit im Durchschnitt für Video- und Computerspiele. </p>



<p>Die Zeit, die für die Entwicklung eines Newsgames nötig ist, verhindert, dass tagesaktuelle Nachrichten vermittelt werden können. Dennoch eignen sich Newsgames, um zeitlose Inhalte darzustellen. Das grundlegende Problem, dass Medienhäuser viel Zeit und Geld investieren müssten, um am Ende ein Produkt zu erhalten, dessen Erfolg unsicher ist, bleibt jedoch bestehen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Humoröses Nachspiel</h2>



<p>Die Vermischung von Unterhaltung und Information ermöglicht es also nicht nur, neue Zielgruppen zu erreichen, sondern hilft auch dabei, die Informationen verständlicher und einprägsamer zu vermitteln. Trotz der Vorteile, die die Darstellungsformen mit sich bringen, können sie den klassischen Journalismus nicht ersetzen. Satire-Angebote sind auf die Berichterstattung etablierter Medien angewiesen und die Entwicklungszeit von Newsgames macht eine aktuelle Information unmöglich. Allerdings können sie das Portfolio der Medienhäuser bereichern, vor allem, wenn es darum geht, den Rezipienten Sachverhalte und Zusammenhänge zu erklären. Im Besonderen können technische Themen, die in der Regel zeitlos sind, durch solche Formate unterhaltsam und anschaulich vermittelt werden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurecommunication.de/infotainment-von-spiel-und-spass-im-journalismus/">Infotainment: Von Spiel und   Spaß im Journalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurecommunication.de">Future Communication</a>.</p>
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		<title>Interessant ist, was unterhält &#8211; Infotainment und Newsgames als Zukunft des Journalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Sep 2020 07:43:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unser Mediennutzungsverhalten verändert sich und damit auch die Anforderungen an den Journalismus. Die Schnelllebigkeit und Allgegenwärtigkeit des Internets macht Aufmerksamkeit zum kostbaren Gut, weswegen neue Formate gefordert sind, die die Aufmerksamkeit wieder binden. Im Interview mit Henry Lai vom Bayerischen Rundfunk geht es um die Probleme, denen sich der Journalismus derzeit gegenübersteht und um Infotainment, die Verschmelzung von Unterhaltung und Information, als mögliche Antwort.</p>
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]]></description>
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<p><strong>Die Schnelllebigkeit des Internets macht Aufmerksamkeit zum kostbaren Gut. Das stellt neue Anforderungen an journalistische Formate. Im Interview spricht Henry Lai vom Bayerischen Rundfunk über die aktuellen Probleme des Journalismus und über Infotainment als mögliche Antwort.</strong></p>



<span id="more-99"></span>



<p class="has-text-align-right"><em>Ein Gastbeitrag von Sabrina Huf</em></p>



<p><em>Die Digitalisierung hat die Medienwelt verändert. Hat das dieselben Auswirkungen auf die öffentlichrechtlichen Medien, wie auf private Medien?</em> </p>



<p><strong>Lai:</strong> Ja natürlich. Sowohl die öffentlich-rechtlichen Medien als auch die privaten Medien bedienen das gleiche Publikum. Wenn man von Zuschauergruppen und Demographien absieht, versuchen wir jeden zu erreichen. Die Digitalisierung betrifft auch jeden, weshalb wir auch im selben Maße betroffen sind.</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignright size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-1024x683.jpg" alt="Henry Lai entwickelt Webspecials und Newsgames." class="wp-image-102" width="316" height="211" srcset="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-1024x683.jpg 1024w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-300x200.jpg 300w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-768x512.jpg 768w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-1536x1025.jpg 1536w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-2048x1366.jpg 2048w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-1570x1047.jpg 1570w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-1000x667.jpg 1000w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-24x16.jpg 24w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-36x24.jpg 36w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-48x32.jpg 48w" sizes="(max-width: 316px) 100vw, 316px" /><figcaption>Henry Lai arbeitet seit acht Jahren beim BR und hat sich durch die Entwicklung von Webspecials und Newsgames einen Namen gemacht. (Foto: Sabrina Huf)</figcaption></figure></div>



<p><em>Sind die Öffentlich-Rechtlichen für die Finanzierungsschwierigkeiten der Privaten verantwortlich?</em><br /><strong>Lai:</strong> Nein, das glaube ich nicht. Das würde implizieren, dass die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit der Finanzierung der Privaten zusammenhängt. Das sind zwei völlig unterschiedliche Systeme. Was auch so gewollt ist.</p>



<p><em>Wenn allerdings der öffentlich-rechtliche Rundfunk qualitativ hochwertigen Journalismus online kostenlos zur Verfügung stellt, wer zahlt dann noch Geld für das Angebot der Privaten? </em></p>



<p><strong>Lai:</strong> Ein mündiger Bürger sollte sich nicht nur bei einem Medium informieren, sondern sollte sich mehr Informationsquellen holen &#8211; gerne auch bei den Privaten &#8211; um sich ein ausgewogenes pluralistisches Bild zu machen. Nichtsdestotrotz sind wir natürlich Konkurrenten, aber das waren wir auch vor der Digitalisierung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ungenutze Möglichkeiten</h2>



<p><em>Wie muss sich der Journalismus in Zeiten der Digitalisierung verändern, um trotzdem noch die Aufmerksamkeit der Leser zu binden?</em> </p>



<p><strong>Lai:</strong> Ich glaube der Journalismus, sowohl die Öffentlich-Rechtlichen als auch die Privaten, müssen sich mehr auf die Digitalisierung einlassen. In den ersten Jahren der Digitalisierung wurde oft versucht, analoge Formate, die man schon vorher hatte, einfach nur ins Internet zu stellen. Aber die Digitalisierung bietet noch mehr Möglichkeiten. Nur um das Thema Newsgames zu erwähnen. Oder auch die direkte Interaktion mit dem Publikum, wie man sie auf Social-Media-Plattformen machen kann. Das alles schwingt in der Digitalisierung mit und wird glaube ich noch nicht in vollem Maße ausgenutzt. Auch die Art und Weise, wie wir uns als Journalisten verstehen. Früher hat der Journalist den Leuten etwas erzählt und jetzt ist es vielleicht eine andere Art von Kommunikation, die wir betreiben müssen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aufmerksamkeit durch Infotainment</h2>



<p><em>Infotainment ist eine andere Art der Kommunikation. Denkst du, dass die Verschmelzung von Information und Unterhaltung eine Möglichkeit ist, um wieder mehr Aufmerksamkeit zu generieren?</em> </p>



<p><strong>Lai:</strong> Ja, ich denke schon. Die Betonung liegt hier auch wieder darauf, dass es eine Möglichkeit ist. Es ist nicht die Möglichkeit, die alle Probleme lösen wird. Aber es ist eine Methode, um das Publikum unterhaltend an Informationen heranzuführen. Beispielsweise gibt es Angebote, die das Publikum auf Missstände hinweisen oder Missverständnisse aufdecken. Da haben wir unterhaltende Formate, die aber auch lehrreich sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Humor bei komplexen Themen</h2>



<p><em>Was hältst du von Angeboten, die Informationen humoristisch aufbereiten? Also Satire-Angebote wie die Anstalt, oder auch englische Angebote wie LastWeek-Tonight?</em> </p>



<p><strong>Lai:</strong> Diese Formate, wie Last Week Tonight oder das Neo Magazin Royale, erfreuen sich riesiger Beliebtheit. Sie greifen auch Themen auf, besonders John Oliver, die, wenn man sie in einem normalen Nachrichten Format verpacken würde, zu komplex und fad wären. Viele Menschen würden sich mit den Themen nicht befassen wollen. Mit Hilfe des Humors kann man diese Themen einer breiteren Masse nahebringen. Ich finde das gut.</p>



<hr class="wp-block-separator is-style-wide"/>



<p class="has-text-align-center">Artikel zum Thema: <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="Von Spiel und Spaß im Journalismus" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infotainment: Von Spiel und Spaß im Journalismus</a></p>



<hr class="wp-block-separator is-style-wide"/>



<p><em>Für jemanden der sich nicht für Politik interessiert, kann es schwer sein den Humor von der Nachricht zu unterscheiden. Ist es daher nicht auch gefährlich die beiden so stark zu verschmelzen?</em> </p>



<p><strong>Lai:</strong> Bezogen auf John Oliver, dessen Format ich besser kenne, sehe ich die Gefahr nicht. Was eine Satire ausmacht oder was auch einen Witz ausmacht, ist die Übertreibung. John Oliver übertreibt in seinen Stücken die Sachen, die ganz offensichtlich ein Witz sind, so stark, dass ich nicht glaube, dass ein normal denkender Bürger je seine Witze mit der Realität verwechseln könnte. Und ich habe auch die naive Hoffnung, dass jemand, der sich für die in Last Week Tonight angesprochenen Themen interessiert, die Themen auch nachlesen und nachprüfen wird. John Oliver bezieht sich in seinen Stücken immer auf die Berichterstattung von etablierten Medienhäusern, er kuratiert die Berichterstattung aus Zeitung und Fernsehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zweiklassengesellschaft bei Satire?</h2>



<p><em>Ein anderes Problem, dass Formate wie die Anstalt haben, ist, dass es eine gewisse politische Vorbildung braucht, um sie zu verstehen. John Oliver im Gegenzug bereitet Themen von Grund auf. Ist das nicht kritisch, weil dadurch eine Zweiklassengesellschaft geschaffen wird?</em> </p>



<p><strong>Lai:</strong> Gebildete Menschen können sich weiterbilden und darüber lachen, während Menschen aus den unteren Bildungsschichten außen vor gelassen werden. Naja, das ist ja nicht das Problem des Formats. In einer idealen Welt würde sich jeder soweit auskennen, dass er mitlachen kann. Von daher ist das Format aus meiner Sicht fein raus. Wir müssten uns eher darüber Gedanken machen, warum so eine Situation entstehen kann, warum sie entstanden ist. Warum gibt es Menschen, die sich nicht für Politik interessieren? Da müssten wir ansetzten und fragen, wie wir Politik für diese Menschen interessant machen könnten. Oder warum ist Politik für diese Menschen uninteressant? Das ist eine Frage, der nachgegangen werden muss.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-2-1024x683.jpg" alt="Henry Lai sieht Potential in Newsgames für den Journalismus" class="wp-image-103" width="392" height="260" srcset="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-2-1024x683.jpg 1024w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-2-300x200.jpg 300w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-2-768x512.jpg 768w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-2-2048x1366.jpg 2048w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-2-1570x1047.jpg 1570w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-2-1000x667.jpg 1000w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-2-24x16.jpg 24w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-2-36x24.jpg 36w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2020/04/Huf-Interview-Bebilderung-2-48x32.jpg 48w" sizes="(max-width: 392px) 100vw, 392px" /><figcaption>Henry Lai sieht Potential in Newsgames für den Journalismus. (Foto: Sabrina Huf)</figcaption></figure></div>



<p><em>Ist es nicht auch bei technischen Themen so, dass sie nicht gut genug an die Menschen herangetragen werden?</em> </p>



<p><strong>Lai:</strong> Sei es der Klimawandel, die Digitalisierung oder Industrie 4.0, bei denen vielen das Verständnis fehlt. Ja, das stimmt. Allerdings muss man sagen, dass die Welt immer komplexer wird. Aber man kann auch komplexe Gegebenheiten einfach erklären, wenn man sich die Mühe gibt. Gerade bei technischen Themen. Wenn man nur mal in den Bereich IT-Sicherheit reingeht, gibt es so viele interessante, wichtige und auch erschreckende Dinge, die die Menschen nicht wissen beziehungsweise, die sie nicht verstehen, die man mal erklären müsste.</p>



<p><em>Wird Technik von den klassischen Medien stiefmütterlich behandelt?</em></p>



<p><strong>Lai:</strong> Journalisten sind auch nur Menschen. Es gibt Journalisten, die sich in diesem Bereich spezialisieren. Die kennen sich aus und können das auch erklären. Man kann nur etwas erklären, wenn man es auch selber verstanden hat. Viele andere Journalisten sind vielleicht ebenfalls überfordert mit den technischen Neuerungen, die fast schon täglich auf uns einprasseln. Und ich kann mir vorstellen, dass es dann zu Missverständnissen kommt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Newsgames &#8211; bisher erfolglos?</h2>



<p><em>Du hast vorhin Newsgames erwähnt, als eine Möglichkeit, um der Digitalisierung zu begegnen. Was genau sind Newsgames?</em> </p>



<p><strong>Lai:</strong> Newsgames sind Spiele, die mit Hilfe ihrer Spielmechanik eine Geschichte erzählen, die journalistisch aufgearbeitet wurde. Mit Geschichte ist dabei nicht die Storyline der Charaktere gemeint. Sondern, dass der Spieler ein System, einen Zusammenhang begreift, in dem der Spieler ihn nachspielt. Dadurch, dass der Spieler seine persönlichen Erfahrungen aus dem Spiel mit den Geschehnissen, die das Spiel darstellt, verknüpfen kann, bleibt der Zusammenhang besser in seinem Gedächtnis haften.</p>



<p><em>Warum gibt es keine erfolgreichen Newsgames?</em></p>



<p><strong>Lai:</strong> Es gibt durchaus erfolgreiche Newsgames – es sind nur sehr wenige. Ein sehr erfolgreiches Newsgame ist beispielsweise Endgame: &#8222;Syria&#8220;, ein Spiel aus Großbritannien von GameTheNews. Die konnten das sogar vermarkten und offiziell verkaufen. Man kann sich darüber streiten, ob das Indiegame &#8222;Papers, Please&#8220; ein Newsgame ist. Es finden sich Beispiele, die sich mit dieser Art des Erzählens auseinandersetzen, die auch kommerziell erfolgreich waren. Was das Genre der Newsgames angeht, würde ich dir recht geben, dass sie nicht so bekannt sind. Das liegt daran, dass sie sehr aufwendig zu produzieren sind. Zumindest hierzulande sind nur wenige Medienhäuser Willens und in der Lage diese Art von Produktionskosten zu stemmen.</p>



<p><em>Wenn ein Newsgame eine Geschichte faktisch richtig erzählt und so die Hintergrundinformationen vermittelt, sind dann auch kommerzielle Spiele, die wahre Begebenheiten widerspiegeln, Newsgames?</em> </p>



<p><strong>Lai:</strong> Nein. Ein Newsgame zeichnet sich dadurch aus, dass die Hintergründe journalistisch aufgearbeitet sind. Im banalsten Fall ist ein Journalist bei der Entwicklung, beim Gamedesign mit dabei. Zudem sind kommerzielle Spiele wie &#8222;Call of Duty&#8220; oder &#8222;FIFA&#8220; dazu da, um Spaß zu machen und den Entwicklern Geld zu bringen. Ein Newsgame sollte in erster Linie dazu da sein, seine Geschichte zu vermitteln und der Spielspaß sollte erst an zweiter Stelle kommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Keine langweiligen Spiele</h2>



<p><em>Ist das nicht genau das Problem, weswegen Newsgames bis auf wenige Ausnahmen nicht erfolgreich sind? Dass sie den Spaßfaktor oder die Unterhaltung zu weit unten ansetzen?</em> </p>



<p><strong>Lai:</strong> Das liegt, wie gesagt, auch daran, dass sich viele Medienhäuser keine Newsgames leisten können. Dadurch kann man in diesem Bereich nicht viel experimentieren und ausprobieren. Wenn man sich festlegt, ein Newsgame zu machen, dann ist man Monate, Jahre damit beschäftigt, wobei das Ergebnis unsicher ist. Deswegen wagen so viele diesen Schritt nicht. Erst wenn man sich daran herantastet, kann man auf ein Spiel kommen, das sowohl journalistisch korrekt und spannend ist, aber auch Spaß macht zu spielen. Das Format Newsgames ist nicht gleich ein langweiliges Spiel. Wir hatten bis jetzt nur noch keine Tripel-A Produktion.</p>



<p><em>Wenn Geld keine Rolle spielen würde und du zu einem beliebigen Thema ein Newsgame machen könntest, was würdest du wählen?</em> </p>



<p><strong>Lai:</strong> Ich glaube ich würde das Thema Bahnfahren und Verspätungen nehmen. Das wäre dann ein Strategiespiel, bei dem der Spieler dafür sorgen müsste, dass kein Zug zu spät kommt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurecommunication.de/interessant-ist-was-unterhalt-infotainment-und-newsgames-als-zukunft-des-journalismus/">Interessant ist, was unterhält &#8211; Infotainment und Newsgames als Zukunft des Journalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurecommunication.de">Future Communication</a>.</p>
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