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	<title>Homeoffice Archive - Future Communication</title>
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	<description>Zukunft der Technikkommunikation</description>
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	<title>Homeoffice Archive - Future Communication</title>
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		<title>„Mich würde es nicht stören, wenn Elon Musk auf dem Mars lebt.“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Feb 2021 08:49:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jan Vollmer ist Redakteur für digitale Wirtschaft beim Magazin t3n und befasste sich im Rahmen eines Artikels mit Utopien im Space Age der fünfziger und sechziger Jahre. Im Interview erklärt er, wie der Begriff New Work von einer Utopie zur leeren Phrase wurde, welche dystopische Zukunft die digitale Arbeitswelt durch Gig Economy erschaffen könnte und [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurecommunication.de/mich-wuerde-es-nicht-stoeren-wenn-elon-musk-auf-dem-mars-lebt/">„Mich würde es nicht stören, wenn Elon Musk auf dem Mars lebt.“</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurecommunication.de">Future Communication</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong><a href="https://t3n.de/pioneers/profile/jan-vollmer/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jan Vollmer</a> ist Redakteur für digitale Wirtschaft beim Magazin <a href="https://t3n.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">t3n</a> und befasste sich im Rahmen eines <a href="https://t3n.de/magazin/zukunft-mehr-das-mal-war-247031/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikels</a> mit Utopien im Space Age der fünfziger und sechziger Jahre. Im Interview erklärt er, wie der Begriff New Work von einer Utopie zur leeren Phrase wurde, welche dystopische Zukunft die digitale Arbeitswelt durch Gig Economy erschaffen könnte und warum es ihn nicht stört, wenn reiche Menschen den Mars besiedeln.</strong></p>



<span id="more-796"></span>



<p class="has-text-align-right"><em>Ein Gastbeitrag von Tobias Rühl</em></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/2_Portrait_Jan_Vollmer-906x1024.jpg" alt="" class="wp-image-820" width="394" height="446" srcset="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/2_Portrait_Jan_Vollmer-906x1024.jpg 906w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/2_Portrait_Jan_Vollmer-265x300.jpg 265w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/2_Portrait_Jan_Vollmer-768x868.jpg 768w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/2_Portrait_Jan_Vollmer-1359x1536.jpg 1359w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/2_Portrait_Jan_Vollmer-1812x2048.jpg 1812w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/2_Portrait_Jan_Vollmer-1570x1774.jpg 1570w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/2_Portrait_Jan_Vollmer-1000x1130.jpg 1000w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/2_Portrait_Jan_Vollmer-21x24.jpg 21w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/2_Portrait_Jan_Vollmer-32x36.jpg 32w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/2_Portrait_Jan_Vollmer-42x48.jpg 42w" sizes="(max-width: 394px) 100vw, 394px" /><figcaption>Jan Vollmer möchte keine Bilder von sich im Internet veröffentlichen, da er die Entwicklung der Gesichtserkennungsalgorithmen kritisch sieht. Deshalb verwendet er ausschließlich dieses kryptische Portrait. (Foto: Vollmer)</figcaption></figure></div>



<p><em>Was verstehst du unter einer digitalen Arbeitswelt? </em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Ich denke, dass unsere Arbeitswelt schon größtenteils digitalisiert ist und es daher schwierig ist, zwischen analogen und digitalen Jobs zu unterscheiden. Selbst wenn man einen Goldschmied oder eine Goldschmiedin als Beispiel nimmt, was jetzt kein digitaler Job in dem Sinne ist, versuchen solche Berufsgruppen heute über Social Media Kunden zu erreichen. Daher fällt es mir hier schwer eine Unterscheidung zu treffen.  </p>



<p><em>Obwohl die digitale Arbeitswelt bereits Realität ist, wie denkst du könnte eine utopische Zukunftsvorstellung aussehen?</em></p>



<p><strong>Vollmer: </strong>Wenn man die Arbeitswelt allgemein betrachtet, könnte es eine Zukunft sein, bei der es in der Wirtschaft weniger um Gewinne und Wachstum geht, sondern die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit in den Vordergrund rückt. Das funktioniert nur, wenn man sich damit beschäftigen kann und nicht darauf angewiesen ist, Geld um jeden Preis heranzuschaffen. Diese Aspekte finde ich viel interessanter als die Frage, ob eine Tätigkeit nun vor dem Bildschirm stattfinden wird oder nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gig Economy als Gefahr für die Arbeitswelt</h2>



<p><em>Und was könnten negative Aspekte sein, die in Richtung Dystopie gehen?</em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Was ich als eine Gefahr sehe, ist die sogenannte Plattformökonomie. Bereits heute gibt es immer mehr Plattformen mit Geschäftsmodellen wie das von Uber. Dort ist der Fahrer oder die Fahrerin selbstständig und arbeitet für das Unternehmen, was im Prinzip eine Scheinselbstständigkeit ist. Diese Arbeiter nennt man auch Gig Worker, die Teil der Gig Economy sind. Dazu kommen andere prekäre Arbeitsmodelle im Dunstkreis der Tech-Konzerne, zum Beispiel die Sub-Subunternehmer bei Amazon oder Cleaner, die für Facebook die Plattform sauber halten. Die Gefahr ist, dass es in Zukunft immer mehr dieser Jobs und immer weniger richtige Jobs gibt. Damit steht man plötzlich als einzelner Selbstständiger oder Selbständige der Übermacht von Konzernen wie Amazon gegenüber und muss zeitweilig deren &#8222;terms of conditions&#8220; akzeptieren.</p>



<p><em>Du meinst, dass die meisten Menschen dann nur noch freiberuflich in Mikro-Angestelltenverhältnissen leben? </em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Gig Economy und Clickworker stehen eigentlich genau dafür: Wenn sich Leute auf Plattformen anmelden und diese dann die eigentlichen Gewinne erzielen. Sie können dann durch ihre Allgegenwart eine Art Steuer auf alles erheben. Wenn etwa ein Großteil der Gesellschaft über Amazon stattfindet und der Konzern davon immer profitiert, ist es gewissermaßen so, als ob Amazon private Steuern auf alles erhebt. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Arbeitnehmerschutz leidet</h2>



<p><em>Was genau ist die Gig Economy? </em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Ein Gig ist ein einmaliges Event. Eine Band hat zum Beispiel einen Gig, für den sie ein paar hundert Dollar bekommt. In einer Gig Economy werden Leute für einzelne Leistungen bezahlt. So leistet etwa ein Selbstständiger für Uber eine Fahrt ab und Uber gibt ihm dafür 20 Dollar und das war&#8217;s. Es gibt kein Angestelltenverhältnis, keine Gewerkschaft, keine Krankenversicherung, keine Sicherheit. Jeder muss dann für sich schauen, wie er über die Runden kommt. Diese Entwicklung ist für mich eine dystopische Vorstellung. </p>



<p><em>Mit der Coronapandemie ist ein Aspekt der digitalisierten Arbeitswelt schlagartig Realität für viele Menschen geworden: Das Home-Office. Wie erlebst du die Berichterstattung darüber? Hat sich durch die Pandemie etwas daran verändert?</em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Ja ich habe eine Veränderung bemerkt. Vor der Pandemie lag der Fokus eher auf der Diskussion um New Work, digitale Nomaden und Ähnlichem, weil das Thema eher abstrakt war. Und jetzt mit Corona ist Home-Office plötzlich Realität. Damit lernen die Menschen zwangsläufig die Vor- und Nachteile kennen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">New Work: Alles und nichts</h2>



<p><em>Du hast gerade den Begriff New Work angesprochen. Kannst du den genauer erläutern? </em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Also ich würde fast behaupten, dass New Work ein sehr schillernder Begriff ist. Geprägt hat ihn eigentlich der Philosoph Frithjof Bergmann. Das Interessante hierbei ist, dass er den Begriff New Work zwar sehr geprägt hat und dieser gerade in den letzten zwei Jahren immer wieder auftaucht, aber wenn man ehrlich ist, hat er den Begriff nie konkretisiert. Ich habe Frithjof Bergmann selbst vor ein paar Jahren interviewt und was er eigentlich die ganze Zeit sagt ist: Man sollte tun, was man wirklich, wirklich will. Wie genau man das herausfindet und umsetzt, erklärt Frithjof Bergmann nicht. Von daher ist der Begriff ein bisschen leer. Alles ist New Work und nichts ist New Work. </p>



<p><em>Also ist es eher eine leere Phrase für dich. Was wurde mittlerweile aus dem Begriff New Work gemacht? </em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Ich glaube es ist immer noch eine Phrase. Ich denke Frithjof Bergmann ist ein sehr charismatischer Mensch, der gerne auf Konferenzen eingeladen wird. Dort spricht er dann darüber, was er alles gegründet und verändert hat. Aber wenn man dann konkret nachschaut, findet man nichts mehr davon. Er spricht etwa von seinen New Work-Zentren. Ich habe lange recherchiert und gesucht, aber es gibt kein einziges davon. Und es scheint auch niemanden zu stören, dass es eine Phrase bzw. Catch-Phrase ist. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Landwirtschaftliche Arbeit neben dem Bürojob</h2>



<p><em>Auf vielen New-Work-Internetseiten werden Aspekte wie Homeoffice oder flache Hierarchien dem Begriff zugeschrieben. Meinst du diese Begriffe sind New Work zugeschrieben worden, weil sie in die moderne Zeit passen?</em></p>



<p><strong> Vollmer: </strong>Das ist schwer zu sagen. Frithjof Bergman hatte eigentlich nur die Idee, dass Leute machen sollen, worauf sie Bock haben und was sie erfüllt. Aber auch das nicht fünf oder sieben Tage die Woche, sondern einen speziellen Teil der Zeit sollten sie auch landwirtschaftliche Arbeit machen können, weil das Menschen gut tut. Und einen Teil der Zeit sollten sie etwas mit ihren Händen bauen. Aber wie gesagt, es ist nie so ganz konkret geworden. Und jetzt ist es so eine Art Buzzword für alles, was nicht dem klassischen Berufsbild, wie zum Beispiel fünf Tage die Woche in einer Versicherung zu arbeiten, entspricht. Mir fällt es schwer das konkret einzugrenzen. </p>



<p><em>Frithjof Bergmanns Idee von New Work war ursprünglich eine Utopie für eine bessere Gesellschaft. Denkst du, dass Journalisten solche Ideen übernehmen und in ihren Artikeln mit Utopien oder Dystopien arbeiten dürfen?</em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Natürlich kann man aufzeigen, wohin eine Entwicklung führen könnte. Selbstverständlich muss dabei für alle verständlich sein, was schon Realität ist und was nur Befürchtung oder Hoffnung. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Raumfahrt als Utopie</h2>



<p><em>Hast du selbst schon einen Artikel geschrieben, indem du beispielweise Science-Fiction Elemente hergenommen hast oder träumerisch warst, im Sinne von einer Utopie oder Dystopie? </em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Also ich habe mal einen <a href="https://t3n.de/magazin/zukunft-mehr-das-mal-war-247031/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikel über Dystopien und Utopien an sich</a> geschrieben, aber natürlich nichts, was fiktiv war. </p>



<p><em>Um was ging es in dem Artikel?</em></p>



<p><strong>Vollmer</strong>: Der Schwerpunkt lag eher auf Utopien und in dem Artikel ging es um das Space Age. Das war etwa die Zeit von den Fünfzigern und Sechzigern bis zu den Achtzigern, als das Space Race stattfand. Das heißt der Wettlauf um den ersten Menschen auf dem Mond zwischen den USA und der Sowjetunion. Der Artikel beleuchtet, welche Rolle Weltraum Utopien für die Menschen damals gespielt haben. </p>



<p><em>Was waren das für Vorstellungen und Utopien? </em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Das kommt auf die Perspektive an: Für die Sowjetunion waren das Vorstellungen von einer neuen sowjetischen Gesellschaft im All und für die USA war generell das Ideal von Fortschritt dahinter. Allgemein ging es auf beiden Seiten um das Bezwingen der Natur und das Bild von: &#8222;Der Mensch wächst über sich hinaus&#8220;. Generell stand dieser Gedanke des Pioniers, der unbekannte Orte entdeckt, im Vordergrund. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Nerdige Berichterstattung</h2>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/4_Starlink_Foto.png" alt="" class="wp-image-822" width="413" height="309" srcset="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/4_Starlink_Foto.png 640w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/4_Starlink_Foto-300x225.png 300w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/4_Starlink_Foto-24x18.png 24w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/4_Starlink_Foto-36x27.png 36w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/4_Starlink_Foto-48x36.png 48w" sizes="(max-width: 413px) 100vw, 413px" /><figcaption>Das Bild zeigt einen Teil der 60 Testsatelliten, die Elon Musks Raumfahrtunternehmen Space X für das Projekt Starlink in den Weltraum schoss. (Foto: Marco Langbroek via <a href="https://sattrackcam.blogspot.com/2019/05/wowowow-spectacular-view-of-spacex.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SatTrackBlog</a>)</figcaption></figure></div>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><em>Ist das Thema heute noch aktuell?</em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Es gibt auf jeden Fall ein neues Space Race. Das zeigen verschiedene private Projekte, wie Kuiper von Amazon-Gründer Jeff Bezos, OneWeb oder Starlink von SpaceX. Außerdem gibt es das Mars-Programm der NASA oder ein umfangreiches chinesisches Raumfahrtprogramm. Erst vor kurzem war ein chinesischer Roboter auf dem Mond. Es gibt also wieder vermehrt Aktivität. Ein Begriff für die Privatisierung der Raumfahrt ist New Space. Dadurch habe ich schon das Gefühl, dass dieses Thema stark in der Öffentlichkeit steht. Zum Beispiel waren NASA-Pullover im letzten Jahr sehr beliebt und modisch. Elon Musk ist auch eine Person, die für sehr viel Interesse sorgt. Wenn man überlegt, was es für einen medialen Widerhall gab, als Space X einen Tesla ins All geschossen hat. Also ich würde schon sagen, dass es da einen neuen Hype gibt. </p>



<p><em>Wie nimmst du die Berichterstattung darüber wahr? </em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Also ich würde sagen sie ist relativ nerdig. Es gibt auch nicht so viel was man aktuell daran schlecht finden könnte. Klar, es gibt teilweise die Befürchtung, dass die Erdumlaufbahn militarisiert wird, aber ich glaube größtenteils ist es schon eher positiv. Das ist wieder der Fortschrittsgedanke, welcher bei der Herausforderung auf den Mars zu kommen oder bei Dingen wie Weltraumtourismus eine große Rolle spielt. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Marsbesiedelung als Dystopie?</h2>



<p><em>Welche positiven Entwicklungen im Sinne einer zukünftigen Utopie würdest du dir dadurch erhoffen?</em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Kurzfristig gesehen kann das neue Space Race mit Projekten wie StarLink für schnelleres Internet sorgen. Langfristig sehe ich da eigentlich nicht so viel Positives darin, aber auch nichts Schlechtes. Bei der Mars-Mission gibt es zum Beispiel die Vorstellung, eine reiche Elite dort anzusiedeln. Das ist jetzt nichts, worin ich hier einen gesellschaftlichen Nutzen sehe. </p>



<p><em>Also wäre das dann eher eine dystopische Seite, wenn reiche Menschen auf dem Mars leben und die Armen bleiben auf der Erde zurück und müssen mit dem Klimawandel bzw. anderen Problemen weiterleben? </em></p>



<p><strong>Vollmer:</strong> Ich glaube es ist weder dystopisch noch utopisch. Ich habe nicht das Gefühl, dass es mich persönlich sonderlich beeinflussen würde, wenn Elon Musk irgendwann auf dem Mars lebt. Mal ganz abgesehen davon, dass es dort noch viel ungemütlicher ist, als auf einer überhitzten Erde.</p>
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		<title>New Work:„Die Utopie ist eher eine grobe Skizze“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Feb 2021 08:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Stefanie Hornung ist freie Journalistin und Autorin. Sie schreibt für unterschiedliche Medien im Bereich New Management, New Work und HR. Im Interview spricht sie über die Macht alter Strukturen, den Kickertisch als Symbol für oberflächliche Veränderung und die Rolle des träumenden Utopisten. Ein Gastbeitrag von Klaus Reeder Sie beschäftigen sich schon seit mehreren Jahren intensiv [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Stefanie Hornung ist freie Journalistin und Autorin. Sie schreibt für unterschiedliche Medien im Bereich New Management, New Work und HR. Im Interview spricht sie über die Macht alter Strukturen, den Kickertisch als Symbol für oberflächliche Veränderung und die Rolle des träumenden Utopisten.</strong></p>



<span id="more-777"></span>



<p class="has-text-align-right"><em>Ein Gastbeitrag von Klaus Reeder</em></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/Stefanie-Hornung-1-1024x682.jpg" alt="Stefanie Hornung" class="wp-image-827" width="383" height="254" srcset="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/Stefanie-Hornung-1-1024x682.jpg 1024w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/Stefanie-Hornung-1-300x200.jpg 300w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/Stefanie-Hornung-1-768x512.jpg 768w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/Stefanie-Hornung-1-1536x1024.jpg 1536w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/Stefanie-Hornung-1-1570x1046.jpg 1570w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/Stefanie-Hornung-1-1000x666.jpg 1000w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/Stefanie-Hornung-1-24x16.jpg 24w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/Stefanie-Hornung-1-36x24.jpg 36w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/Stefanie-Hornung-1-48x32.jpg 48w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/01/Stefanie-Hornung-1.jpg 1772w" sizes="(max-width: 383px) 100vw, 383px" /><figcaption>Die freie Journalistin und Autorin Stefanie Hornung untersucht seit etwa dreieinhalb Jahren zusammen mit zwei Unternehmensberatern <a href="https://www.new-pay.org/">neue Vergütungsansätze in Organisationen</a>. Im Jahr 2019 erschien dazu das gemeinsame Buch <a href="https://shop.haufe.de/prod/new-pay-alternative-arbeits-und-entlohnungsmodelle-inkl-arbeitshilfen-online" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„New Pay“</a> in der ersten Auflage. (Foto: Hornung)</figcaption></figure></div>



<p><em>Sie beschäftigen sich schon seit mehreren Jahren intensiv mit New Work. Was verstehen Sie unter dem Begriff? </em></p>



<p><strong>Hornung:</strong> Diese Frage ist immer ein bisschen schwierig zu beantworten, denn es gibt keine klare Definition von New Work. Grundsätzlich würde ich das Thema aber auf zwei verschiedene Sichtweisen herunterbrechen: Zum einem auf den Ansatz des Philosophen Fritjof Bergmann, der den Begriff „Neue Arbeit“ aufgebracht hat. Ihm geht es um eine Art Selbstentfaltung, indem wir herausfinden, was wir wirklich wirklich tun wollen – das doppelte „wirklich“ ist dabei Teil des Konzepts. Wenn wir uns die Unternehmen heute ansehen, dominiert ein anderes Verständnis. Da ist New Work ein Organisationsprinzip. Die Idee dahinter geht zwar teilweise noch auf Fritjof Bergmann zurück – vor allem im Hinblick auf den Freiraum zur Entfaltung – aber meistens liegt der Fokus darauf, stärker selbstorganisiert und kollaborativ zu arbeiten. Oft verschwimmt New Work hier mit Ansätzen von agilem Arbeiten. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Glaubenssätze aus dem Industriezeitalter ablegen</h2>



<p><em>Wie würden Sie die Utopie New Work beschreiben? Ist es die Symbiose aus diesen beiden Perspektiven dann die ultimative Utopie New Work? </em></p>



<p><strong>Hornun</strong>g: Eine ultimative New-Work-Utopie gibt es für mich nicht. Aber es ist schon in gewisser Weise ein utopischer Gedanke, dass wir aktuelle Arbeitsformen und Glaubenssätze, die noch aus dem Industriezeitalter kommen, verändern oder ablegen können. Obwohl wir heute mit der digitalen Transformation viel mehr Wissensarbeit haben, halten sich alte Strukturen hartnäckig. Die Utopie besteht für mich darin, die Arbeitswelt für veränderbar zu halten und zu überlegen, wie neue Lösungen aussehen könnten. Wir kennen zum Beispiel das Bild der klassischen Karriereleiter, bei der sich Erfolg am hierarchischen Aufstieg ablesen lässt. Das führt dazu, dass Menschen, statt sich auf ihre Talente zu fokussieren, Machtspielchen perfekt zu beherrschen lernen. Es ist sicherlich eine utopische Vorstellung, dass wir diese Mechanismen komplett überwinden können, um unsere Potentiale optimal auszuschöpfen. </p>



<p><em>Sind solche Elemente von New Work schon in der Arbeitswelt vorhanden? Gibt es bereits Entwicklungen hin zur Utopie? </em></p>



<p><strong>Hornung: </strong>Viele Unternehmen nutzen das Label „New Work“. Beim genaueren Hinschauen beobachten wir da aber eher oberflächliche Veränderungen. Der vielzitierte Kickertisch gehört dazu oder auch die Duz-Kultur. Wenn es um tiefer gehende Formen von New Work geht, hängt viel von der Unternehmensgröße ab. In größeren Unternehmen sind radikale Veränderungen selten. Da gibt es im Sinne von Graswurzelbewegungen kleinere Netzwerke, die anders arbeiten wollen. </p>



<p>Oft bleiben diese New-Work-Inseln aber isoliert. Das Top-Management und andere Teile des Unternehmens laufen weiter nach Prinzipien der „alten Welt“ und erweisen sich dabei als sehr geschickt darin, sich mit den New-Work-Vorreitern zu schmücken, aber echten Wandel zu umgehen. Die mutigeren Ansätze, die Probleme von Bürokratie oder Obrigkeitshörigkeit an der Wurzel packen, sieht man häufiger bei kleineren Organisationen und Start-ups. Letztere haben den Vorteil, dass sie auf der grünen Wiese anfangen und leichter gegensteuern können, wenn sich neue Ansätze als nicht hilfreich erweisen. Sobald diese Organisationen wachsen, wird die Sache deutlich schwieriger. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Auseinanderdriftende Realitäten</h2>



<p><em>Wurde aus Ihrer Perspektive während der Pandemie ein Schritt nach vorne gemacht in Sachen New Work? Gab es hier einen Schub? </em></p>



<p><strong>Hornung:</strong> In Sachen Homeoffice auf jeden Fall. Ich würde es aber nicht unbedingt als Schub für New Work bezeichnen, auch wenn die beiden Begriffe teilweise synonym verwendet werden. Es gibt durchaus Unternehmen, die aus den Pandemie-Bedingungen gelernt haben und versuchen eine neue Führungskultur oder neue Strukturen aufzubauen. Das liegt aber teilweise auch daran, dass sie mit ihren Kontrollmechanismen fürs Homeoffice nicht schnell genug hinterherkamen. Inzwischen haben manche Unternehmen alte Kontrollmechanismen mithilfe neuer Technologie aufs Homeoffice übertragen. </p>



<p>Es gibt noch zu wenig Studien über das tatsächliche Ausmaß der verschiedenen Herangehensweisen. Aktuell ist es deshalb zu früh, um zu bewerten, wie stark die Corona-Situation flächendeckend zu einer neuen Art zu Arbeiten führt. Insgesamt scheinen die Unternehmenskulturen in der Arbeitswelt immer mehr auseinanderzudriften: Eine New-Work-Kultur mit einem hohen Grad an Freiheit und Flexibilität in einer hybriden Arbeitskultur auf der einen Seite, und eine völlig andere Arbeitsrealität, in der von all dem sehr wenig zu spüren ist.</p>



<p><em>Haben Sie den Eindruck, dass Journalisten und Journalistinnen in der Berichterstattung mit Utopien bzw. Dystopien arbeiten, um New Work darzustellen? </em></p>



<p><strong>Hornung:</strong> Unabhängig von der Pandemie habe ich den Eindruck, dass es im Journalismus bei der Darstellung von New Work verschiedene Schwerpunkte gibt. Einerseits die Fokussierung auf den Neuheitswert: Wenn Unternehmen beispielsweise etwas machen, das exotisch klingt – wie Führungspositionen abzuschaffen oder ein Wunschgehalt einzuführen. Dabei hinterfragen Journalisten diese Ansätze oft gar nicht. Anderseits beobachte ich den Hang zum Meinungsjournalismus, der ein bisschen dystopisch ist: Journalisten konzentrieren sich dann stark auf die negative Sicht und nehmen eine Gegenposition ein. Mögliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung führen sie als Argument dafür an, dass die New-Work-Ideen nichts bringen und die altbewährte Art und Weise zusammenzuarbeiten sich nicht ändern lässt. Journalisten, die ihre persönlichen Utopien und Dystopien beschreiben, begegnen mir seltener. Und wenn, dann in Form von Gedankenspielen – etwa was der Einheitslohn für den Gender Pay Gap bedeuten oder was der 5-Stunden-Tag mit uns persönlich machen würde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">New Work: Emotionale Kurve in den Medien</h2>



<p><em>Wie nehmen Sie die aktuelle Berichterstattung über das Homeoffice im Kontext New Work wahr?</em></p>



<p><strong>Hornung:</strong> Mein Eindruck ist, dass zu Beginn der Pandemie viele skeptisch waren. Da war die Frage: Wie soll das gehen? Da ging es ganz viel um Technik und Tools, die für viele völlig neu waren. Etwas später ist das in Euphorie umgeschlagen. Man hat gemerkt, das funktioniert irgendwie und die Leute arbeiten doch noch etwas, auch wenn sie zuhause sind. Das war ein starkes Gefühl, das die Hoffnung nährte, da passiert echt mal etwas, das vielleicht auch nach der Pandemie bleibt. </p>



<p>Nach dem Sommer kam dann die Ernüchterung. Die Vorstellung, wieder ausschließlich im Homeoffice zu sein, klang nicht mehr verlockend. Da hat man eine gewisse digitale Erschöpfung gespürt. Diese emotionale Kurve hat sich in den Medien widergespiegelt. In der zweiten Jahreshälfte häuften sich Geschichten über die Schattenseiten von Homeoffice. Inzwischen sehe ich eine durchaus differenzierte Betrachtung, die gekennzeichnet ist von der Suche nach einem Patentrezept für das Wechselspiel von Flexibilität bieten, aber auch Nähe unter Kollegen schaffen. Da gibt es aber gerade noch mehr Fragen als Antworten. </p>



<p><em>Wie sehen Sie die Berichterstattung im Vergleich vor und während der Corona-Krise? Hat sich da grundlegend etwas verändert in der Sichtweise auf das Thema New Work? </em></p>



<p><strong>Hornung:</strong> Nicht wirklich. Journalisten der Publikumspresse nehmen das Thema New Work eigentlich nur am Rande wahr. Hier ging es im Lauf der Corona-Krise vor allem um die Arbeitsbedingungen im Homeoffice und was wir davon ins „New Normal“ retten können, wie Führung auf Distanz funktioniert und wie viel Kontrolle wir da noch brauchen. Themen wie Methoden der Organisationsentwicklung, agiles Arbeiten oder Selbstorganisation bleiben weitgehend der Fachpresse vorbehalten. Das war auch schon vor Corona so. Diese Themen haben in der Pandemie eher geruht, auch in Fachmedien. Natürlich spielte man auch hier Homeoffice von A bis Z, während vorher Recruiting von Personal und Fachkräftemangel stärker im Vordergrund standen. Insgesamt ist der Begriff Homeoffice inzwischen schon fast etwas überreizt. Das sehen wir daran, dass jetzt neue Aufhänger gefragt sind. Ich vermute, dass nun wieder grundlegende New-Work-Fragen zu Themen wie Agilität, Projektarbeit, Arbeitsplatz- und Arbeitszeitautonomie auf die Agenda kommen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Träumen erlaubt?</h2>



<p><em>Glauben Sie, dass Journalisten und Journalistinnen träumen und in der Berichterstattung durch Utopien emotionalisieren dürfen? </em></p>



<p><strong>Hornung:</strong> Auf jeden Fall. Warum nicht? Wenn man das tut, sollte man aber die Rolle des träumenden Utopisten von dem des Journalisten trennen – etwa, indem man durch die Beitragsform Kommentar klarmacht, dass es um die persönliche Meinung geht. Mir persönlich sind Utopien meist zu sehr als Blaupause gedacht. Das birgt die Gefahr, dass eine abstrakte Idee zum Glaubenssatz wird und uns die Kritikfähigkeit raubt. Als Journalisten sollten wir uns dem verpflichtet fühlen, was ist. Und dazu gehört auch, Dinge abzuwägen, Dilemmata deutlich zu machen und Fehlentwicklungen aufzuzeigen. Doch auch wenn wir die Wirksamkeit von Formen alter und neuer Arbeit hinterfragen, schließt das nicht aus, mit konstruktiven Lösungen Denkanstöße zu geben. Es gilt, die wichtigen Fragen der Zeit zu stellen, auch in Bezug auf die Arbeitswelt. Die Utopie ist dann eher eine grobe Skizze der Zukunftsbewältigung</p>
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