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	<title>Gabor Steingart Archive - Future Communication</title>
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	<title>Gabor Steingart Archive - Future Communication</title>
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		<title>Pionierjournalismus und Ausbildung: Müssen jetzt alle Pioniere werden?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Apr 2022 11:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gabor Steingart]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Gruppe der Pionierjournalist:innen ist eine, die Wiebke Loosen und Andreas Hepp 2019 erstmals im Rahmen ihrer Forschungen identifizierten. Mittlerweile gibt es Journalist:innen wie Gabor Steingart mit seiner Redaktion „Media Pioneer“ und dem „Medienschiff ThePioneerOne“, die sich offensiv als Medienpioniere bezeichnen und damit viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Tatsächlich besitzen aktive Pioniere geschätzte Stärken wie [&#8230;]</p>
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<p><strong>Die Gruppe der Pionierjournalist:innen ist eine, die Wiebke Loosen und Andreas Hepp 2019 erstmals im Rahmen ihrer Forschungen identifizierten. Mittlerweile gibt es Journalist:innen wie <a href="https://futurecommunication.de/steingart-und-der-pionierjournalismus/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gabor Steingart mit seiner Redaktion „Media Pioneer“</a> und dem „Medienschiff ThePioneerOne“, die sich offensiv als Medienpioniere bezeichnen und damit viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Tatsächlich besitzen aktive Pioniere geschätzte Stärken wie Mut und Weitsicht. Sollten Journalist:innen deshalb nun alle Pioniere werden?</strong></p>



<span id="more-1341"></span>



<p class="has-text-align-right"><em>Ein Gastbeitrag von Christian Sengstock</em></p>



<div class="wp-block-image" datatext=""><figure class="alignright size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/10/Bild-Rudolf-Porsch-zur-Veroeffentlichung-1024x683.jpg" alt="Rudolf Porsch ist stellvertretender Direktor der Journalistenausbildung bei der FreeTech Academy des Axel Süringer Verlags. Ein/e Pionierjournalist:in ist für ihn jemand, „der die Verbindung zwischen Mensch und Maschine vorantreibt“." class="wp-image-1343" width="441" height="294" srcset="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/10/Bild-Rudolf-Porsch-zur-Veroeffentlichung-1024x683.jpg 1024w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/10/Bild-Rudolf-Porsch-zur-Veroeffentlichung-300x200.jpg 300w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/10/Bild-Rudolf-Porsch-zur-Veroeffentlichung-768x512.jpg 768w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/10/Bild-Rudolf-Porsch-zur-Veroeffentlichung-1536x1024.jpg 1536w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/10/Bild-Rudolf-Porsch-zur-Veroeffentlichung-2048x1365.jpg 2048w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/10/Bild-Rudolf-Porsch-zur-Veroeffentlichung-1570x1047.jpg 1570w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/10/Bild-Rudolf-Porsch-zur-Veroeffentlichung-1000x667.jpg 1000w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/10/Bild-Rudolf-Porsch-zur-Veroeffentlichung-24x16.jpg 24w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/10/Bild-Rudolf-Porsch-zur-Veroeffentlichung-36x24.jpg 36w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/10/Bild-Rudolf-Porsch-zur-Veroeffentlichung-48x32.jpg 48w" sizes="(max-width: 441px) 100vw, 441px" /><figcaption>Rudolf Porsch ist stellvertretender Direktor der Journalistenausbildung bei der FreeTech Academy des Axel Springer Verlags. (Foto: Pressefoto)</figcaption></figure></div>



<p class="has-text-align-left">Am 20. Oktober 2020 kündigte der Axel Springer Verlag an, mit der „FreeTech – Axel Springer Academy of Journalism and Technology“ die eigene Technologie-Kompetenz langfristig auszubauen und dabei Journalismus und Technologie zu verbinden. Die Ausbildung von Journalisten und Tech-Experten soll in der <a href="https://www.axel-springer-akademie.de/">FreeTech Academy</a> unter einem Dach erfolgen. Dafür wird die bisherige Axel Springer Akademie integriert und um einen technologischen Ausbildungsstrang ergänzt. </p>



<p class="has-text-align-left">Als stellvertretender Direktor der Journalistenausbildung bei der FreeTech Academy ist Rudolf Porsch maßgeblich an der Ausbildung von Journalist:innen beteiligt. Anders als Gabor Steingart, der mit seiner Redaktion laut eigener Aussage „eigentlich alles anders“ macht als „herkömmliche Medien“, ist für ihn der Trend zur Glaubwürdigkeit und Authentizität besonders wichtig. „Journalisten müssen transparenter arbeiten und eine höhere Kompetenz in ihrem Fachbereich mitbringen“, stellt Porsch heraus. Transparenz ist auch Rezipienten besonders wichtig. Dies arbeiteten Loosen, Reimer und Hölig in ihrem Arbeitspapier „Was Journalisten sollen und wollen“ des Hans-Bredow-Institus heraus. Auch wenn an der Transparenz-Schraube noch gedreht werden kann, bescheinigt das Papier Journalisten insgesamt, dass sie viel von dem wollen, was Rezipienten von ihnen erwarten und wenig, was auch Rezipienten als unwichtig erachten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Pionierjournalist:in – Sein oder nicht sein?</strong></h2>



<p>Weder das Bestreben alles anders zu machen noch eine hohe Transparenz sind ausschließlich dem Pionierjournalismus zuzuordnen. Ein/e Pionierjournalist:in ist für Rudolf Porsch jemand, „der die Verbindung zwischen Mensch und Maschine vorantreibt“. Für ihn sei Journalismus schon immer technisch vorangetrieben gewesen. „Das betraf zunächst die Distribution. Heute sind auch Recherche und Produktion zunehmend technisch getrieben“, sagt Porsch. Hepp und Loosen haben in ihrer Forschungsarbeit „Pioneer journalism: Conceptualizing the role of pioneer journalists and pioneer communities in the organizational re-figuration of journalism” sechs Kriterien identifiziert, die Journalist:innen zu Pionierjournalist:innen machen. Zwei wichtige Eigenschaften von Pionierjournalist:innen sind es, den Berufsstand mit experimentalem Einsatz weiterzuentwickeln. Sie sind selbst Vorreiter:innen in einem Bereich und andere akzeptieren sie als solche. Hierbei kann es sich um gestandene Medienhäuser, Start-Ups und Einzelpersonen handeln.</p>



<p>Eines dieser Start-Ups ist <a href="https://perspective-daily.de/">Perspective Daily</a>. Das Online-Magazin wurde im Dezember 2015 gegründet und veröffentlicht pro Tag einen einzelnen Artikel, also insgesamt fünf pro Woche. Es arbeitet nach den Prinzipien des konstruktiven Journalismus und finanziert sich über Mitgliedsbeiträge. Die ersten 12.000 Mitgliedschaften hat das Start-Up durch eine Crowdfunding-Kampagne gewonnen. Einer der Redakteure von Perspective Daily ist Dirk Walbrühl, der sich selbst nicht als Pionierjournalist bezeichnet. Für ihn gehören auch neue Herangehensweisen zum „normalen“ Journalismus. Er sieht im Pionierjournalismus außerdem auch Schwächen: „Pionierjournalimus läuft Gefahr, sich vom traditionellen Journalismus zu entkoppeln. Nur weil man etwas neu macht, ist nicht alles davor schlecht. […] Kritik ist gut und richtig. Traditioneller Journalismus muss sich diese gefallen lassen. Das macht Pionierjournalismus und andere Ansätze jedoch nicht zu Zukunftsjournalismus. Alle Formen haben ihre Daseinsberechtigung. Nicht der ganze Journalismus muss sich in eine bestimmte Richtung verändern“, führt Walbrühl aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Pionier“ als das neue „Innovation“</strong></h2>



<p>Die verschiedenen Aussagen von Porsch, Steingart und Walbrühl zeigen im Hinblick auf die von Hepp und Loosen definierten Kriterien für Pionierjournalismus, dass nicht jeder, der ein/e Pionierjournalist:in ist, sich auch als solche/r bezeichnet. Dies hat auch Wiebke Loosen im Rahmen ihrer Forschung festgestellt: „Die allermeisten, mit denen wir im Rahmen dieses Projektes sprechen, würden niemals von sich behaupten, sie wären Pioniere“. Gleichzeitig würden Hepp und Loosen nicht jedem, der sich als Pionierjournalist:in bezeichnet, diese Eigenschaft auch zuschreiben. Der Begriff Pionier lässt sich jedoch gut vermarkten. Er birgt in der Forschung allerdings auch seine Probleme. „Der Begriff ist schon gut gewählt, aber vor allem mit dem soziologischen Backoffice. Bei den Interviews geht es oft darum, ihn zu vermeiden, weil die Leute ihre Arbeit nicht großartig, innovativ oder spannend finden. Für sie ist sie normal“, sagt Loosen.</p>



<p>Es bleibt abzuwarten, ob sich der Pioniers-Begriff langfristig als das hält, wofür ihn Loosen und Hepp vorgesehen haben: Als Bezeichnung einer journalistischen Nische und nicht als Modebegriff, wie es der „Innovations-Begriff“ über die Zeit geworden ist. Zur Unterscheidung zwischen Innovation und Pionier äußerte sich Gabor Steingart wie folgt: „Für mich ist der Pionier ganzheitlicher. Der Begriff „Innovation“ ist sehr technisch behaftet. Bei der Erkundung der Antarktis und der Entdeckung des Südpols gab es moderne Techniken wie zum Beispiel den Motorschlitten, die Herr Scott als Innovation mitgenommen hatte. Aber die Technik ist hier nicht der Pionier. Die Pioniere waren damals Scott und Ammons, die sich den Wettlauf zum Südpol geliefert haben. Also die Menschen, die neueste, raffinierteste Techniken oder Strategien nur benutzen.“<br /></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Pionierjournalismus als Ziel für alle?</strong></h2>



<p>Es hat sich gezeigt, dass in Deutschland viele Journalisten als Pioniere in ihren Bereichen tätig sind, ohne sich selbst als solche zu bezeichnen. Als Fundament gelten für diese nicht selten die bewährten journalistischen Werte wie Transparenz, Orientierung am Rezipienten, fundierte Recherche und moderne Wege der Distribution. Bei der Ausbildung von Journalist:innen ist daher nicht die Frage, ob Pionierjournalist:innen ausgebildet werden sollen, sondern zukunftsfähige Journalist:innen. Diese erfüllen nicht alle Kriterien, die Hepp und Loosen für Pioniere festlegen. Sie sind jedoch offen für neue Wege von Recherche und Produktion bis hin zur Distribution und können folglich mit neuen Verbreitungskanälen, Recherchemethoden oder Arten der Informationsvermittlung umgehen und verfügen in ihren Fachgebieten über fundierte Kenntnisse. Dafür setzen sich Bildungseinrichtungen wie die Technische Hochschule Nürnberg oder auch Axel Springers FreeTech Academy ein.</p>
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		<title>Gabor Steingart und der Pionierjournalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronja Dörr]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Mar 2021 09:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gabor Steingart]]></category>
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		<category><![CDATA[partizipativer Journalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Zukunft des Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Journalist und Autor Gabor Steingart will mit seiner schwimmenden Redaktion, der &#8218;Pioneer One&#8218;, Journalismus neu denken. Im Interview erzählt Steingart, was ihn und seine Crew auf der Spree zu Pionieren macht. Ein Gastbeitrag von Ronja Dörr Das deutsche Wort „Pionier“ kommt vom mittelfranzösischen „pionnier“ und lässt sich etwa mit „Wegbereiter“ oder „Vorkämpfer“ übersetzen. Eine [&#8230;]</p>
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<p><strong>Der Journalist und Autor Gabor Steingart will mit seiner schwimmenden Redaktion, der &#8218;<a href="https://www.thepioneer.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pioneer One</a>&#8218;, Journalismus neu denken. Im Interview erzählt Steingart, was ihn und seine Crew auf der Spree zu Pionieren macht.</strong></p>



<span id="more-897"></span>



<p class="has-text-align-right"><em>Ein Gastbeitrag von Ronja Dörr</em></p>



<p>Das deutsche Wort „Pionier“ kommt vom mittelfranzösischen „pionnier“ und lässt sich etwa mit „Wegbereiter“ oder „Vorkämpfer“ übersetzen. Eine ehrenhafte Funktion hat dieser Pionier inne. Träte man doch ohne seine neuen Impulse nur auf der Stelle. Gabor Steingart bezeichnet sich als &#8222;Pionierjournalist&#8220;.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized" datatext=""><img decoding="async" src="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Gabor-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-898" width="600" height="400" srcset="https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Gabor-1024x683.jpg 1024w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Gabor-300x200.jpg 300w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Gabor-768x512.jpg 768w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Gabor-1536x1024.jpg 1536w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Gabor-2048x1365.jpg 2048w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Gabor-1570x1047.jpg 1570w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Gabor-1000x667.jpg 1000w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Gabor-24x16.jpg 24w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Gabor-36x24.jpg 36w, https://futurecommunication.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Gabor-48x32.jpg 48w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption>Foto: Media Pioneer</figcaption></figure>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>







<p><em><strong> Was verstehen Sie unter Pionierjournalismus, Herr Steingart? Wie gestaltet sich das in der Praxis? </strong></em></p>



<p>Pionierjournalismus heißt, dass man all das, was Vergangenheit ist und sich nicht bewährt hat und nicht zukunftsfähig ist, radikal analysiert, versteht und dann auch abschneidet. Zum Beispiel das Papier. Papier ist für mich heute nicht mehr Teil von Pionierjournalismus. Oder Werbung! Die Anzeigenfinanzierung von Medien ist eine Tradition. Aber eine, die sich meiner Meinung nach aus ethischen Gründen nicht bewährt hat. Aus kaufmännischen Gründen ist diese Art der Finanzierung auf der Verliererstrecke: Die Werbeindustrie schafft sich ihre Formate selbst und bewirbt ihre Produkte über eigene Kanäle in sozialen Medien. </p>



<p>Nach vorne geguckt ist Pionierjournalismus partizipativer Journalismus. Einer, der Leser:innen und Hörer:innen wirklich ernst nimmt und einbindet. Und zwar nicht nach Gutsherrenart, sondern aus der schlichten Erkenntnis heraus, dass man weiß, dass man nichts weiß. Der Satz ist unter Journalisten sehr unbeliebt. Im Journalismus ist es zum Beispiel Usus geworden, dass alle über Technik sprechen, aber keiner eine Ahnung hat. Es gibt praktisch keinen Journalisten, der die Kernenergie wirklich versteht. Das sind keine zehn von 100.000 Journalisten. Trotzdem schreiben darüber so viele. Und darin liegt die Chance für partizipativen Journalismus: Dass man Menschen, die etwas davon verstehen, einbindet. Experten eine Stimme, eine Bühne zu geben, macht Journalismus besser, bürgernäher und auch wahrhaftiger. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Neugier statt Haltung</h2>



<p><em><strong>Welche Voraussetzungen müssen Pionier-Journalist:innen Ihrer Meinung nach mitbringen? </strong></em></p>



<p>Neugier spielt eine deutlich größere Rolle als die Haltung. Eines der heutigen Missverständnisse in dem Beruf ist, dass ein Journalist zunächst einmal eine Haltung zu den Dingen braucht. Die braucht er nicht. Sondern er muss neugierig sein und muss reportieren, wenn er in ein Land des Islams geht, wenn er in ein Kriegsgebiet geht, wenn er über eine neue Technologie berichtet. Zunächst muss immer die Neugier am Beginn stehen. Die eigene Haltung zum Islam oder Kriegen muss unwichtig sein. Als Reporter bin ich nicht als Pazifist oder als Kriegsgegner unterwegs. In Kriegsgebieten geht es an erster Stelle darum, neugierig und wahrhaftig zu sein. Da gelten ganz andere Tugenden. Insofern gibt es unter Journalisten heute ein Missverständnis: Sie sind keine Aktivisten, keine Träger von religiösen oder anderen Haltungen. Stattdessen müssen sie neugierig, aufklärerisch und enthüllend sein. Im besten Falle bringen sie noch Verständnis für das Thema mit. </p>



<p><em><strong>Ist Pionierjournalismus ein Vorbild, zu dem der traditionellere Journalismus aufschauen kann? </strong></em></p>



<p>Der traditionelle Journalismus wird nach und nach absterben. So wie das Alte eben nach und nach abstirbt. Wie der Verbrennungsmotor oder die Schallplatte. Noch schlimmer als der Haltungsjournalismus ist ja der obrigkeitsstaatliche Journalismus. Wo manche nur auf Politiker in Aufsichtsgremien hören und willfährige Berichte verfassen, um damit Karriere in den Öffentlich-Rechtlichen zu machen. Das wird absterben, weil die Leute das nicht wollen. Sobald sie Auswahl haben, verlassen sie die autoritären Medien. Das Publikum weist uns schon den Weg. Das zeigt auch der Erfolg vieler amerikanischer Medien wie Google, Facebook, Twitter oder LinkedIn, weil es hier partizipative Elemente gibt. „Partizipativ“ im Sinne von: Ich darf mich selbst artikulieren, ich darf selbst Medium sein. Warum hat das eigentlich kein Deutscher erfunden? </p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Alles anders&#8220;</h2>



<p><em><strong>Im Zusammenhang mit Journalismus liest man immer häufiger von Innovation, neuerdings taucht auch der Pioniersbegriff auf. Welchen Mehrwert bringt der „Pionier“? </strong></em></p>



<p>Für mich ist der Pionier ganzheitlicher. Der Begriff „Innovation“ ist sehr technisch behaftet. Bei der Erkundung der Antarktis und der Entdeckung des Südpols gab es moderne Techniken wie zum Beispiel den Motorschlitten, die Herr Scott als Innovation mitgenommen hatte. Aber die Technik ist hier nicht der Pionier. Die Pioniere waren damals Scott und Ammons, die sich den Wettlauf zum Südpol geliefert haben. Also die Menschen, die neueste, raffinierteste Techniken oder Strategien nur benutzen. Der Pionier ist für mich also der größere Begriff. </p>



<p><em><strong>Würden Sie sich selbst Pionierjournalist nennen? </strong></em></p>



<p>Ja, das würde ich schon sagen. Wir machen eigentlich alles anders als herkömmliche Medien. Das fängt mit unserem Medienschiff an. Wir sind unterwegs, fließend. Transparent bis hin zur Werbefinanzierung. Papierlosigkeit. Leserpartizipation. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Fahrendes Konzert auf der Spree</h2>



<p><em><strong>Ist ihr Schiff zu der „medialen Wertschöpfungskette“ geworden, die Sie angestrebt haben?</strong></em></p>



<p>Ja. Sind wir nach einem halben Jahr schon zu 100 Prozent dort, wo wir hinwollen? Das bestimmt noch nicht. Aber es entwickelt sich genau in diese Richtung. Neulich hatte ich zwei Musikerinnen zu Besuch auf der <a href="https://www.thepioneer.de/redaktionsschiff" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pioneer One</a>. Die beiden haben verfemte Komponisten entdeckt, die von den Nazis erst verboten und später getötet wurden. Aus dem Interview haben wir einen Podcast gemacht und wir haben darüber geschrieben. Am Jahrestag zur Befreiung von Auschwitz werden die beiden Frauen hier an Bord das Konzert der verfemten Komponisten spielen (Anm. d. Red.: Das Interview wurde bereits am 7. Dezember 2020 geführt). Das werden wir <a href="https://www.thepioneer.de/live" target="_blank" rel="noreferrer noopener">live streamen</a> und für Podcast und Video aufbereiten. </p>



<p>Wir wollen bei solchen Events alle Darreichungsformen, die medial möglich sind, ausprobieren. Für die nächste Saison planen wir außerdem eines der größten Open-Air-Konzerte. Die Menschen müssen nicht mehr zur Bühne kommen. Die Band fährt auf dem Schiff 20 Kilometer durch Berlin und kommt so zu den Menschen. In die Quartiere des sozialen Wohnungsbaus genauso, wie in die Lofts der Kreativszene. Die Band spielt auf dem Schiff, und auf dem Handy kann man im Stream verfolgen wo, wer, wann welchen Song spielt. Aber man kann auch das Fenster aufmachen und so zuhören. Wir wollen mediale Verbindungen schaffen. Das Schiff dient als Ausgangspunkt für Content, um das Publikum hybrid, also digital und in „real life“, zu erreichen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Journalismus in live und konserviert</h2>



<p><em><strong>Also machen Sie Eventjournalismus? </strong></em></p>



<p>Eher nicht. Ein Event ist für mich eher eine für sich geschlossene Veranstaltung. Die mediale Verbreitungs- und Wertschöpfungskette ist hier breiter angelegt und insofern sehr viel differenzierter. Ich würde es vielleicht Livejournalismus nennen, oder besser Multimediajournalismus. Es beginnt live. Aber dann wird es eingefroren, medial aufbereitet, verschönert, geschnitten, gemacht, getan und somit letztlich konserviert. Damit wird es für mehr Menschen zugänglich gemacht als nur für diejenigen, die an dem Tag live dabei waren. </p>



<p><em><strong>Haben sie im vergangenen Jahr, seit das Schiff zu Wasser gelassen wurde, etwas dazugelernt? </strong></em></p>



<p>Ja, eine Menge. Wie das eben so ist. Was ich wirklich dazugelernt habe, ist, dass es in Deutschland nicht so leicht ist, Aktien zu begeben. Denn der Anlegerschutz wird sehr groß geschrieben. Außerdem wird die Lust der Menschen, sich zu beteiligen und Risiken einzugehen, geringer eingeschätzt als sie tatsächlich ist. Also hat der Gesetzgeber unfassbare Bürokratie und auch Kosten davor gebaut. Trotzdem haben wir es hingekriegt: Zehn Prozent unserer Company sind im Besitz der Leser. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Zielgruppe &#8222;mindstretching people&#8220;</h2>



<p><em><strong>Wie schwer ist es Lesergelder für neue Ideen zu gewinnen?</strong></em></p>



<p>Gar nicht schwierig. Wir waren innerhalb kürzester Zeit nicht nur ausverkauft, sondern überausverkauft. Wir machen vinkulierte Namensaktien. Das heißt, wir können uns die Aktionäre selber aussuchen, anders als an der Börse. Das ging auch deshalb, weil die Bereitschaft zu investieren im Bürgertum so groß war. </p>



<p><strong><em>Hat Pionierjournalismus eine bestimmte Zielgruppe? </em></strong></p>



<p>Ja, ich habe dafür den Begriff dafür von „Zanny“ Minton Beddoes geklaut. Sie ist Chefredakteurin des Economist und in meinen Jahren in Washington war sie meine Nachbarin. Zanny definiert die Zielgruppe des Economist als „mindstretching people“. Wir machen Dehnübungen für den Kopf. Und „mindstretching people“ sind Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts und Berufs. Das umfasst eine Spannbreite vom Professor, dem Bürgertum über Studenten, bis hin zu aufgeweckten Kindern jeden Alters.</p>



<p>Mit der Bezeichnung „Entscheider“ aus den klassischen Medien ist das nicht zu definieren. Ab einem Alter von 45 Jahren und einer Einkommensgröße von 70-80.000€ Jahresgehalt ist man sogenannter „Entscheider“. Dann fährt man BMW oder Mercedes und ist mindestens Unterabteilungsleiter bei Siemens oder SAP. So würde ich das heute nicht mehr definieren. Deswegen finde ich den Begriff von Zanny besser. „Mindstretching people“ sind die Zielgruppe von Pionierjournalismus. Das sind Leute, die bereit sind, einen neuen Weg mitzugehen. Die können 90 sein, oder aber auch 19.</p>
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